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    Jugendmeeting in Hohenprießnitz – Ein Neubeginn

Die einzelnen Teilnehmer reisten am Donnerstag an. Nach einem kleinen Abendessen wurde die Überschrift vorgestellt, unter der das gesamte Meeting stehen sollte:

Stille.

Wie Swami sagt: „Silence is Sai-Lense“ – mit anderen Worten, die Stille ist die Perspektive Gottes.

Da dieses Thema in den nächsten Tagen immer wieder mit einer intensiven Innenschau verbunden war, könnte man auch sagen, dass das Treffen deshalb eher ein Youth-Retreat, als ein Youth-Meet war.

Über die nächsten Tage hatten wir die Gelegenheit, viel über “Samadhi” und die Upanischaden zu lernen, schwimmen zu gehen und ein tieferes Verständnis füreinander, sowie für die nächste Stufe der Sai-Mission zu gewinnen.

Das Wichtigste, das jedoch auf diesem Meeting geschah, lässt sich schwer in Worte fassen. Es war eine gewisse Neuausrichtung, ein Umschalten von Verstand auf Gefühl, eine neue Art, Swami zu erleben. Es war förmlich greifbar, dass, nach ungefähr der Hälfte des Meetings, immer mehr Teilnehmer, gleich von welchem Hintergrund sie kamen, erfühlten, dass es jetzt nicht mehr darum geht, an welchem Ort Swami lebt, welcher Religion man angehört oder wie viele Mantras man auswendig aufsagen kann, sondern darum, das Göttliche in sich selbst zu erleben und zu begreifen. Und dass alles das göttliche Sein widerspiegelt.

Der erste Tag, der Freitag, begann mit einer ausführlichen Kennenlernrunde beim Frühstück. Trotz aller Corona-bedingten Einschränkungen waren doch an die 15 Teilnehmer angereist. Gleich im Anschluss ging es dann mit Marco’s Vortrag über die Upanishaden richtig zur Sache.

Die Upanishaden sind im Prinzip eine Zusammenfassung des vedischen Wissens. Davon können Zehn als besonders wichtig angesehen werden. Im Gegensatz zu vielen anderen religiösen Werken, wurden die Upanischaden von vielen verschiedenen Autoren verfasst und behandeln fundamentale Themen, wie z.B die Natur Gottes und wie man diese Natur in sich selbst entdecken kann; außerdem Fragen über Meditation, moralische Überlegungen und andere, höchst interessante Themen.

In seinem Vortrag brachte uns Marco dieses Wissen aus der Vogelperspektive nahe und gab uns ausreichend Informationen, damit wir selbst weiter in die Tiefe gehen können.

   

Am Nachmittag statteten wir dem örtlichen See einen Badebesuch ab. Überraschenderweise liegt eines der größten Gewässer Deutschlands ganz in der Nähe des Zentrums und so konnten wir uns für einige Stunden entspannen.

Danach hielt Thomas einen Vortrag über die drei Grundeigenschaften einer jeden Person: Rationalität, Emotionalität und Instinktivität. Nach einem Vortrag, den er in Italien gehört hatte, erklärte er, dass die meisten zwischenmenschlichen Probleme auf ganz einfachen Missverständnissen beruhen. Wenn wir in der Lage sind, die Grundbedürfnisse einer jeder dieser drei Eigenschaften zu verstehen, fällt es uns auch leichter, unsere Gefühle in „die Sprache“ des anderen zu übersetzen. So möchte z.B. ein rationaler Mensch, der nach Hause kommt, für einige Minuten allein sein und sich in der Stille finden. Für einen emotionalen Menschen ist enger Kontakt sehr wichtig. Wenn jetzt diese beiden Charaktere miteinander leben, kann das, was für den einen wichtig ist, für den anderen Ablehnung und Verunsicherung bedeuten.

Am Samstagvormittag verbrachten wir die Zeit mit Seva: es galt, gewisse Bau- und Instandhaltungsarbeiten auf dem Grundstück durchzuführen. Darunter fiel das Jäten von Unkraut, das Anlegen eines Kiesbettes sowie Arbeiten im Haus. Auch in der Küche wurde ordentlich gearbeitet, was in einem äußerst schmackhaften und vielfältigen Mittagessen endete. Besondere Komplimente muss man an dieser Stelle der Tortenbäckerin aussprechen, die es geschafft hat, aus vollständig veganen Zutaten, drei fantastische Torten, mit Creme und allem, was dazugehört, zu zaubern.

Am Nachmittag gingen wir wieder zum See, wo wir aber nach ungefähr 40 Minuten von einem Regenguss überrascht wurden. Wir versammelten uns deshalb wieder in der Alma Mater und hatten dort eine sehr berührende “Sharing-Session”.

Am Abend schauten wir den zweiten Teil eines sehr interessanten Films, namens Samadhi (hier geht es zum Film). Der erste Teil, den wir bereits am Freitag gesehen hatten, sowie der zweite Teil beschreiben näher den Samadhi, wie man ihn erreicht und welchen Zweck er erfüllt. Obwohl wir alle die Weisheiten, die im Film präsentiert wurden bereits irgendwo gehört hatten, waren die Präzision, sowie die Komplexität des Wissens erstaunlich. Der Film spannte einen Bogen von Wissenschaft, über Religion, bis hin zur Spiritualität. Die Kernaussage war, dass es nicht darum geht, etwas zu erreichen oder noch spiritueller zu werden, sondern diese ganzen Konzepte des Geistes (mind) fallenzulassen. In Prinzip muss das, was uns als Persönlichkeit ausmacht weichen, damit wir die reine Göttlichkeit, die wir ja bereits sind, erfahren können.

Vor allem hatte der Film eine ernüchternde Wirkung und zeigte uns allen, dass wir noch einen weiten Weg zu gehen haben.

Am letzten Tag, dem Sonntag, galt es, zusammenzuräumen. Aber bevor wir abreisten, hatten wir noch eine gute “Sharing-Session”. Wie bereits gesagt, das Wichtigste, das bei diesem Meeting passierte, kann nicht in Worte gefasst werden, da es auf der Ebene des Herzens stattfand. Es wurde aber Allen unabhängig von einander klar, dass die Zeit, die nun folgen wird, ein neuer Anfang von etwas ist.

Es wurde uns sehr bewusst, dass es keine Rolle spielt, an welchen Sai wir glauben. Wichtig ist, dass wir endlich ernsthaft daran arbeiten, die Göttlichkeit in uns selbst zu realisieren und gleichzeitig die Welt um uns herum, durch Vorbildwirkung zu verwandeln.

Thomas Seidling